Herbstbunter Perückenstrauch


DIeser Blogbeitrag ist ein Abdruck meines 2021 erschienenen Artikels zum Perückenstrauch (Cotinus coggygria) für die Fachzeitschrift "AromaReport"


Perückenstrauch


Der Perückenstrauch (Cotinus coggygria), auch Gewöhnlicher Perückenstrauch, Perückenbaum, Fisettholz, oder Färbersumach, Schmack, Venezianischer, Ungarischer oder Tiroler Sumach, englisch Smoke Tree oder Smoke Bush genannt, gehört zur Pflanzenfamilie der Sumachgewächse (Anacardiaceae, engl. Cashew- oder sumac family, Pflanzenfamilie in der Ordnung der Sapindales = Seifenbaumartigen).


Der Pflanzengattung Cotinus werden mehrere Arten zugeordnet, von denen nur eine, der gemeine Perückenstrauch (Cotinus coggyiria) in Europa zuhause ist. Dort ist er im östlichen Mittelmeergebiet, auf der Balkan-Halbinsel, im Tessin und in Südtirol natürlich vorkommend, und darüber hinaus im südwestlichen Asien (Indien, Nepal, Pakistan und in China verbreitet.


Dieser auch vielen Gartenbesitzern und (Klein-)Gärtnern als anpassungsfähige, anspruchsarme, sonnenliebende, attraktive Pflanze bekannte Strauch enthält ein interessantes, ätherisches Öl, dessen Beschreibung weiter erfolgt.


Die Pflanze zunächst kann eine Wuchshöhe von drei bis fünf Metern erreichen, sie ist anpassungsfähig, wächst ausladend und breitbuschig und legt seine Äste schleppenartig nieder. Sie kann ebenso breit wie hoch werden.


Die öltragenden Blätter sind elliptisch bis rundlich oder eiförmig, werden etwa drei bis acht Zentimeter lang und sind sehr dünn. Sie sind frisch grün, bei bestimmten Sorten auch rot bis dunkelrot gefärbt und verfärben sich im Herbst noch einmal gelborange bis scharlachrot.


Je nach Standort blüht der Perückenstrauch zwischen Februar und August. Nach der Blüte (in Mitteleuropa meist von September bis Oktober) verlängern sich die Blütenstiele und bilden lange, abstehende und meist rötliche, rosa oder purpurfarbene bis g

elbliche oder weißliche Fäden oder „Haare“ - der Ursprung der Bezeichnung ‚Perückenstrauch‘. Auch der englische Name Smoke Tree oder Smoke Bush bezieht sich auf die Blütenstände.


Als Kulturpflanze wird der Perückenstrauch als Färbemittel genutzt (eine gelbe bis orange Farbe wird aus den Wurzeln und dem Baumstamm gewonnen), die Blätter, Früchte und Rinde sind eine gute Tanninquelle (die Blätter können bspw. 3-29% Tannine enthalten), aus den Blättern wird ein Zusatzstoff für Hautpflegeprodukte gewonnen, die Zweige werden für die Korbherstellung genutzt, und das Holz – wenn auch in kleinem Maße, für die Tischlerei bspw. von Schränkchen oder Bilderrahmen.


Darüber hinaus wird der Perückenstrauch zur Gewinnung eines sehr kostbaren ätherischen Öls kultiviert. Cotinus coggyria ist momentan ein relativer Exot unter den ätherischen Ölen, durch seinen würzigen Duft und den viele Anwendungsmöglichkeiten wird seine Beliebtheit jedoch sicherlich wachsen.


Das Öl wird über Wasserdampfdestillation der Blätter und Zweige, selten Blüten, gewonnen. Zur Gewinnung eines Liters ätherischen Öls sind ca. 500 kg Pflanzenmaterial notwendig (Quelle: essences-bulgaria.com).


Der satte, komplexe Duft des Öls ist erdig, warm, harzig, krautig-grün, waldig-trocken und eher süß. Das Aroma hat Ähnlichkeit mit dem der Angelica archangelica, nur süßlicher und kann Komplexität und wärmende Erdung in eine Mischung geben. Cotinus kann als Herznote bezeichnet werden.


Inhaltlich sehen wir eine starke Monoterpenausprägung mit

  • 23,6% Z-b-Ocimen (antiseptisch, antibakteriell, leicht antiviral, leicht hautreizend; vorh. ebenso in Citrus aurantium flos, Lavandula angustifolia, Ocimum basilicum, Origanum majorana)[i]

  • 19-44% a-Pinen (antibakteriell, antiviral, sedativ, in über 400 weiteren ätherischen Ölen, z.B. Boswellia sacra, Cistus ladanifer, Cupressus sempervirens, Rosmarinus off.)

  • 20-26% Limonen (bakterizid, stark antiviral, sedativ; sehr weitverbreitet in Citrusarten, Carum carvi, Mentha piperita & spicata, Lavandula angustifolia, Salvia off.,

  • 9-4% Terpinolen (auch in Origanum majorana, Pinus-Arten, Petroselinum crispum)

  • 4,7-11% b-Pinene (in den meisten ÄÖ ein Begleiter von a-Pinen)

  • 4% b-Phellandrene.


Die Anacardiaceae-Familie umfasst viele Arten, die in der Ernährung und in der traditionellen Volksmedizin zur Behandlung unterschiedlicher menschlicher Krankheiten verwendet werden. Cotinus coggygria hat als klassisch-kommerzielle Zierpflanze einen hohen medizinischen Gebrauch. Das Öl des Perückenstrauchs wirkt stark antibakteriell (z.B. ggü. E.coli, Staphylocuccus aureus & epidermidis, bacillus cereus,)[ii], antiviral, antimykotisch (ggü. Candida strains, C. albicans, Cl glabrata, C. tropicalis)[iii] und ist dadurch wirksam bei der Behandlung von Entzündungen, stark ausgeprägter Akne, verschiedenen Hauterkrankungen, eitrigen Hautausschlägen, Hautunreinheiten, schuppiger und trockener Haut sowie Candidae.


Darüber hinaus wird das Öl aus Wildsammlung für die Mundhygiene, bei entzündetem Zahnfleisch empfohlen. Das Perückenstrauch-Öl stärkt die Zähne, das Zahnfleisch sowie den Kiefer und wird deshalb zur Kariesvorbeugung, aber auch zur Bekämpfung von Zahnfleischentzündungen, Mundgeschwüren, Stomatitis und Parodontitis eingesetzt. Zudem hilft es zur Verbesserung der Mundhygiene, für das auch das ebenfalls erhältliche, erdige Perückenstrauch-Hydrolat gut einsetzbar ist (ebenso wie für die Hautpflege, bei Akne, zur Verbesserung der Barrierefunktion der Haut).


Durch die entzündungshemmenden und antiviralen Eigenschaften kann das Perückenstrauchöl auch bei der Vorbeugung von Erkältungen und Behandlung von Schnupfen, Husten und Erkältungssymptomen sehr hilfreich. Eventuell ist die hohe Zusammensetzung von Monoterpenen auch hilfreich bei allergischen Erkrankungen, bspw. Asthma.Cotinus coggyria kann ebenso im Diffuser oder als Inhalation verwendet werden um in der Erkältungszeit die Bronchialfunktion zu unterstützen.


In einer in-vitro Studie konnte der wässrige Ethanolextrakt der Blätter zu höherer Effektivität und Chemosensibilität von menschlichen Brust-, Eierstock- und Gebärmutterhals-Tumorzellen verglichen mit herkömmlicher Chemotherapie bewiesen werden. In einer weiteren Studie werden Cotinus-coggyria-Flavonoide als verstärkend auf den Zelltod von Tumorzellen beschrieben.[iv]


Cotinus-Öl mischt sich gut mit blumigen ätherischen Ölen wie bspw. Chamaemelum nobile, Rosa damascena (et al.), Pelargonium graveolens, oder auch mit Zitrusdüften wie Citrus limon, C. sinensis, C. paradisii, oder hölzernen Aromen wie Salvia off., Cedrus deodorata, Pinus sylvestris, Abies alba et al.

 

In meinem aktuellen Aromatherapie-Seminar "HerbstSonne" ist der Perückenstrauch eins der drei Feature-Öle. Neben Perückenstrauch sind dies der orangleuchtende Sanddorn und die sommerlich-kräftigende Zypresse. Bei Bestellungen bis 08.09. erhältst du dein AromaPaket pünktlich bis zum Seminar nach Hause. Mehr Infos zum Seminar unter diesem Link


 

Quellen:


  • Arboretum-Arnoldia, A. Considering Cotinus, abgerufen 11.01.2021

  • Engler, A, Prantl, K: Die Natürlichen Pflanzenfamilien, 1896, S. 144, 164f, online auf biodiversitylibrary.org, abgerufen am 01.01.2021

  • Essences-bulgaria.com

  • Fraternale, D., Ricci, D. Journal of Essential Oil Bearing Plants, Vol. 17, 2014 (3)

  • Gang, W., Jun-Jie W., Li, D., Li, F., Shing-Shun T. T. 2016 in https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27673410/

  • Linné, Carl von. Species Plantarum, Stockholm 1753

  • Naturforsch Z, Biosci C.J. 2020 https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32975208/

  • Oberdorfer, E.: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete, Stuttgart 2001, S. 645

  • Scopoli, G.A. „Flora Carniolica“, 1760, 2. Auflage Krauss, Wien 1772

  • Shagin, S., Sujata, B., Manjul, S, IJPPR 2016, 8 (7), 1183-1186) auf https://www.researchgate.net

  • Zimmermann, E.: Aromatherapie für Pflege- und Heilberufe, 6. Auflage, 2018

  • Weblinks

  • Gewöhnlicher Perückenstrauch bei Baumkunde.de

  • Perückenstrauch bei Floraweb.de

  • Cotinus coggyria Scop. Bei InfoFlora.ch

  • Mountainroseherbs.com/cotinus-essential-oil

  • etherischeoele.de/produkt/perueckenstrauch/

[i] Vgl. Zimmermann, S. 90 ff. [ii] Vgl. Shagun, S. et al 2016, IJPPR Vol. 8, Iss. 7,, S. 1184 [iii] Vgl. Fraternale D., Ricci D, 2014 [iv] Vgl. Gang, W., Jun-Jie W., Li, D., Li, F., Shing-Shun, T. T.

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